EmmA – Emotionaler mobiler Avatar als Coaching-Assistent

Motivation

Zwischen 15 und 19 Prozent der Krankheitstage von Erwerbstätigen sind auf psychische Störungen zurückzuführen und noch immer bekommen psychische Erkrankungen in Deutschland nicht die Aufmerksamkeit, die in Anbetracht der krankheitsbedingten Ausfälle und Spätfolgen notwendig wäre. Der Gesetzgeber hat auf diese alarmierende Entwicklung reagiert und verpflichtet Arbeitgeber, eine Gefährdungsbeurteilung hinsichtlich psychischer Faktoren durchzuführen und geeignete Präventionsmaßnahmen zu treffen. Eine gesetzlich verankerte Maßnahme, die auf (psychische) Erkrankungen im Arbeitskontext reagiert, ist unter anderem die betriebliche Wiedereingliederung. In dem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) unterstützten Projekt „EmmA“ arbeiten Partner aus Industrie und Wissenschaft am Einsatz eines digitalen Coaching-Assistenten zur Unterstützung bei psychischer Belastung am Arbeitsplatz!

ZIELE UND VORGEHEN

Das Ziel des Projektes EmmA ist es, ein mobiles Assistenzsystem zu entwickeln, das im Rahmen der betrieblichen Wiedereingliederung von Mitarbeitern mit einer psychischen Erkrankung nach einer krankheitsbedingten Berufspause genutzt werden kann. Ausgangspunkt ist eine multimodale Echtzeit-Sensoranalyse mit Hilfe von Smartphones, die physiologische und soziale Signale interpretiert. Darauf aufbauend wird ein sozio-emotionales Verhaltensmodell entwickelt und an einen virtuellen Avatar gekoppelt, der kontextabhängig Unterstützung anbietet. Von Burn-Out oder Depression betroffene Mitarbeiter werden von EmmA dazu angeregt ihre Gefühle mitzuteilen, zu reflektieren und auf Stimmungen zu reagieren, indem sie vorgeschlagene, aufheiternde Aktivitäten ausüben. Das Assistenzsystem unterstützt ergänzend das therapeutische Vorgehen in der poststationären Phase des Krankheitsverlaufes, sodass Patienten zusätzlich außerhalb der Therapiesitzungen anhaltende Hilfe erfahren. Dies ist dahingehend von Bedeutung, dass die Rückfallquote bei Depressions-Patienten bei bis zu 35% liegt, was damit in Beziehung stehen könnte, dass die Personen nach dem stationären Therapieaufenthalt in ihr vorheriges, unverändertes (Arbeits-)Umfeld zurückkehren.

INNOVATIONEN UND PERSPEKTIVEN

Die Entwicklung eines interaktiven Assistenzsystems, das Erwerbstätige bei psychischer Belastung individuell berät, wäre im Arbeitsalltag hilfreich, um das gesetzlich vorgeschriebene betriebliche Eingliederungsmanagement zu ergänzen und zu erleichtern. Innerhalb des betrieblichen Eingliederungsmanagements eröffnet sich somit eine neue Perspektive, die über Arbeitsplatzgestaltung oder Qualifizierungsmaßnahmen hinausgeht und eine neue Art begleitender Hilfe im Arbeitsleben einführt, die individualisierte und wissenschaftlich fundierte Unterstützung bietet.