Hintergrund

Im Verbundprojekt EmmA wird die Möglichkeiten und der Einsatz eines sozio-emotionalen Assistenzsystems zur Verbesserung der psychischen Gesundheit aufgrund möglicher Belastung am Arbeitsplatz und im Berufsumfeld erforscht.

Ein gesundes Leben zeichnet sich durch körperliche und seelische/psychische Stärke bzw. Ausgeglichenheit auch in der Arbeitswelt aus. Aufgrund von ständiger Erreichbarkeit und wachsendem gesellschaftlichem Druck, beispielsweise durch die höheren Anforderungen im Beruf oder die Vereinbarkeit von Karriere und Familie, werden permanent die Anforderungen und der Stresslevel eines jeden erhöht. Im Gegensatz zu früher fällt es immer mehr Menschen schwerer die Balance zwischen Beruf und Freizeit zu finden.

Gefährdungen und Erkrankungen durch Arbeit und Beruf waren schon immer ein Thema. Während physische Risiken und Verletzungsgefahren relativ gut erkannt und behoben werden konnten, sind in den letzten Jahren zunehmend psychische und psychosomatische Erkrankungen festzustellen. Die Ursachen hierfür sind vielfältig, ihre Aufdeckung und Behebung schwierig. Folgen sind Burnouts und somit eine Gefahr für die Arbeitssicherheit. Seit September 2013 sind Unternehmen laut Gesetz dazu verpflichtet eine Gefährdungsbeurteilung zu der psychischen Belastung am Arbeitsplatz durchzuführen.

EmmA setzt hier an. Dabei wird eine neuartige mobile Plattform entwickelt, mit der erstmalig mithilfe von Sensoren und Sprachsteuerung emotionale und psychische Signale im Dialog zwischen Mitarbeiter und dem digitalen Assistenten analysiert werden. 

Der Ansatz von EmmA ist bilateral: Zum einen ist der EmmA-Assistent in der Gefährdungsbeurteilung einsetzbar und bietet hier vor allem den KMUs ein hilfreiches, unterstützendes und wirtschaftlich tragbares Instrument, insbesondere auch aufgrund und in Ergänzung zu den gesetzlichen Verpflichtungen. So entsteht durch den Einsatz von EmmA ein hohes Einsparungspotenzial, da die Analyse von psychischen Belastungen inzwischen eine wichtige Herausforderung ist und einer hohen Kostenauswirkung unterliegt. Zum anderen erhalten Unternehmen Untersützung bei der Wiedereingliederung von Mitarbeitern mit psychischen Störungen. Den Mitarbeitern wird mit EmmA ein persönlicher Assistent zur Verfügung gestellt, der sie dabei unterstützt. Dabei stellt die Entwicklung eines intelligenten Assistenzsystems welches psychische und soziale Aufgaben übernimmt und den Menschen als digitaler Berater zur Steite stehen kann die eigentliche Innovation von EmmA dar.

Durch die Weiterentwicklung der Sensorik und selbstlernender Analysealgorithmen ist es nun besser denn je möglich, physiologische und soziale Signale von Usern zu erkennen (z. B Lächeln und Blickrichtung). Die Erkennung von sozialen Signalen alleine reicht jedoch nicht aus, um ein Verständnis auf Seiten der Maschine zu simulieren, was im menschlichen Gegenüber vorgeht. Hierfür bedarf es auch einer Analyse der Situation, in der sich ein Mensch befindet, eine Einschätzung der Persönlichkeit des jeweiligen Menschen sowie einer natürlichen Interaktionsart zwischen Mensch und Maschine, um diese so akzeptiert wie möglich zu machen.

Dazu werden in diesem Projekt drei notwendige Bestandteile erstmalig integriert: 1) ML-basierende Echtzeit-Analyse von sozialen Signalen des Benutzers, 2) Theory-of-Mind basierende sozio-emotionale Benutzer- und Wissensmodellierung und 3) ein daran gekoppelter sich adaptierender virtueller 3D Avatar als Benutzerschnittstelle. Animierte Avatare können Nutzern als Dialogpartner mit emotionalen und sozialen Fähigkeiten entgegentreten. Durch ihre Körperlichkeit können sie menschliche Kommunikationsaspekte (Gesichtsausdrücke, Kopfbewegungen, Gesten, Sprache) nachahmen. Mit der im Projekt verfolgten Nachahmung der non-verbaler Kommunikationssignale des Benutzers, wird nun die Beobachtung, dass Benutzer virtuelle Avatare bevorzugen, die ihre eigene Persönlichkeit widerspiegeln (Reeves & Nass 96), realisiert. Der so erstellte Emotionale mobile Assistent (EmmA), kann sich an die non-verbale individuelle Art des Benutzers anpassen, seine Bedürfnisse lernen und einfühlsam reagieren.

Konkret sieht das Projekt vor, die Entwicklung eines EmmA-Demonstrators für zwei beispielhaft unterschiedliche Anwendungsszenarien zu entwickeln und diese zu evaluieren: a) zur Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen am Arbeitsplatz sowie b) zur betrieblichen Wiedereingliederung von Mitarbeitern mit psychischen Störungen.

Bei der psychischen Gefährdungsbeurteilung kann das EmmA-System durch seine Sensorik sowie die Sprachsteuerung als alternative Datengewinnungsmethode verwendet werden und somit ggf. klassische Fragebogenverfahren ersetzen. Das Gefühl eines Dialogs mit dem Avatar kann dank des visuellen, emotionalen und sprachgesteuerten Feedbacks dabei helfen Personengruppen zu erreichen, als in der klassischen Fragebogenform. (u. a. wegen der sperrigen Sprache von Gefahren-Screenings).

Bei der betrieblichen Wiedereingliederung nach psychischer Störung kommt der emotionale und interaktive Charakter von EmmA ebenso zum tragen, da die betriebliche Wiedereingliederung für die Mehrzahl der Mitarbeiter ein unangenehmes Thema darstellt (vor allem nach einem Burn-out). Schwächen werden Vorgesetzten oder Kollegen gegenüber ungerne explizit benannt oder man ist schlicht nicht in der Lage diese richtig zu erkennen, sodass Rückfallquoten von über 50% die Regel sind.